17. März 2020 Keine Kommentare

Über Corona, New Work und Vertrauen

Mann im Homeoffice

Und auf einmal wird alles zweitrangig. Das Coronavirus weist uns in unsere Schranken. NRW-Ministerpräsident Laschet rät am 15. März: „[…] besonnen, aber auch entschlossen unser Leben zu entschleunigen.“ Für Personaler ist die aktuelle Lage im ersten Schritt wohl alles andere als entschleunigend, denn Arbeit muss neu oder sehr umsichtig organisiert werden. Einmal mehr zeigt sich: Ganz gleich, wie wir über Arbeit diskutieren, über den technologischen Fortschritt, neue Modelle und Methoden – im Fokus unseres Handelns sollte immer der Mensch stehen.

Die Eindämmung der Coronavirus-Pandemie genießt aktuell oberste Priorität. Zusammenkünfte aller Art sind einzuschränken. Im beruflichen wie privaten Umfeld. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu vermeiden, müssen soziale Kontakte auf ein Mindestmaß reduziert werden.

Einige Bundesländer haben deswegen die Schließung von Schulen und Kindertageseinrichtungen für mehrere Wochen beschlossen. Ein Spagat für berufstätige Eltern. Nicht einfacher ist es für Berufstätige, die Angehörige versorgen und pflegen. Gerade ältere Mitmenschen und Personen mit Vorerkrankungen oder mit einem schwachen Immunsystem gehören zur Risikogruppe.

Letztendlich gilt für alle, die mit anderen Personen zusammenarbeiten und interagieren, größte Umsicht. Auch oder insbesondere Arbeitgeber sind verpflichtet, der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden gerecht zu werden und zugleich als Unternehmen handlungsfähig zu bleiben. Es braucht möglichst schnell Lösungen.

Ist New Work ein Lösungsansatz?

Nun steckt die Arbeitswelt schon seit einigen Jahren in einem grundlegenden Wandel. Betitelt wird dies unter anderen mit dem Begriff New Work oder auch Arbeiten 4.0. Es geht dabei vor allem um eine neue Denkweise beziehungsweise eine alternative Haltung zum Thema Arbeit:

Was möchten wir wirklich? Was müssen wir leisten, damit Arbeit für uns zukunftsweisend und sinnstiftend ist?

New Work bedeutet unter anderem,

  • starre (Organisations-)Strukturen aufzubrechen und die Eigenverantwortung zu stärken.
  • Arbeit wertschätzend sowie flexibel zu gestalten.
  • das Arbeitsumfeld und die Arbeitsumgebung an die Bedürfnisse der Mitarbeitenden anzupassen.
  • die Möglichkeiten der Digitalisierung zu verstehen und zu nutzen.
  • vernetzt zu arbeiten und vernetzt zu kommunizieren.
  • den Aufbau und den Austausch von Wissen zu fördern.

[Sie sehen, die Liste ist keineswegs vollständig. Hier gäbe es etliche weitere Punkte, die genannt werden könnten.]

Wichtig ist, dass das Konzept New Work nicht bloß auf einzelne Maßnahmen reduziert wird. New Work bedeutet nicht,

  • Mitarbeitende mit Laptops und Smartphones auszustatten oder
  • Homeoffice einzurichten oder
  • Messenger-Dienste für die firmeninterne Kommunikation zu etablieren oder
  • das Business-Outfit gegen Turnschuhe und Hoodies auszutauschen.

Klar, es fängt im Kleinen an. Schritt für Schritt müssen die Maßnahmen auf einem ganzheitlichen, strategischen Ansatz basierend ergänzt werden.

Was bedeutet New Work in Zeiten von Corona?

New Work sorgt seit Jahren für Gesprächsstoff. Konferenzen, Seminare, Webinare und Co. diskutieren über zeitgemäße Formen der Arbeit. Doch nicht alles, was mit New Work überschrieben wird, spiegelt das Konzept auch tatsächlich wider. Wer sich für Homeoffice entscheidet, sollte nicht in einem Atemzug von New Work sprechen.

New Work bedeutet Entwicklung, Sinnhaftigkeit und soziale Verantwortung. Ein Wandel der Besinnung, was Arbeit für uns bedeutet bzw. bedeuten sollte. Möglicherweise sind wir gerade jetzt besonders empfänglich dafür. Weil sich so vieles auf das Wesentliche reduziert.

Und dennoch kann das Konzept nicht schnell als ein passendes Programm für das Krisenmanagement oder als Effizienzsteigerungsmaßnahme aus der Schublade geholt und einem Unternehmen übergestülpt werden.

Der Schlüssel in der aktuellen Situation: Vertrauen

Die aktuelle Situation zeigt sehr deutlich, wie wichtig es ist, als Arbeitgeber verantwortungsbewusst zu agieren. Sofern es sich für Mitarbeitende einrichten lässt, können etwa Homeoffice bzw. Remote Work sowie die Nutzung von Kollaborationstools erste geeignete Maßnahmen sein. Das gilt auch für Unternehmen, die hier bislang weniger Erfahrungen gesammelt haben.

Homeoffice im Mittelstand

Unabdingbar dafür sind vor allem das Vertrauen in die Mitarbeitenden und die Bereitschaft, Kontrolle und Verantwortung abzugeben. Und ja, natürlich müssen die technischen Gegebenheiten erfüllt sein. Das sollte 2020 aber die geringste Hürde sein – auch wenn es hier und da Anlaufschwierigkeiten geben mag. Die Belegschaft zu schützen und die Ausbreitung des Virus zu vermeiden, müssen absoluten Vorrang genießen.



Autorin: Tina Schwarze

Titelbild: Unsplash: © Bench Accounting

Tina Schwarze

ist Ihre Ansprechpartnerin für alle Anfragen rund ums Thema Öffentlichkeitsarbeit. Im Blog schreibt sie vorwiegend zu den Themen Personalmarketing und Employer Branding.