24. September 2025 Keine Kommentare

Storytelling in Stellenanzeigen: Warum Bewerbende echte Geschichten brauchen

Jeder Mensch erzählt Geschichten. Das haben wir schon immer getan. Denn Geschichten wecken Emotionen und schaffen Gemeinschaft. Stellenanzeigen klingen hingegen noch häufig wie staubige Amtsbriefe. Schluss damit: Ziehen Sie Ihre Zielgruppe mit gezieltem Storytelling in Ihren Bann.

    Von Odysseus über Rotkäppchen bis Star Wars – die meisten Geschichten auf der Welt folgen dem Schema der „Heldenreise“. Herunter gebrochen, gestaltet sich dieses (Bewerbungs-)Abenteuer ungefähr so:

    Aus diesem Muster wird klar: Ihre Stellenanzeige kann Menschen dazu bringen, ihre bisherige Position in Frage zu stellen. Sie entscheidet darüber, ob sich bislang unbekannte Talente in Ihrem Unternehmen zu Held:innen entwickeln – oder woanders.

    Form: Der rote Faden Ihrer Geschichte

    Ebenso wie eine fesselnde Geschichte brauchen Stellenanzeigen drei große Kapitel.

    • Einen Anfang, der neugierig macht: Ihr Imagetext. Was macht Ihre Stelle reizvoll?
    • Einen Mittelteil, der Substanz liefert: Worum geht es genau?
    • Ein Ende, das hängen bleibt: Einladung zur Bewerbung statt nur “Interesse geweckt?“

    Und schon hier gilt es, einige Regeln zu beachten:

    Setzen Sie die richtigen Schwerpunkte

     

    Achten Sie auf ein ausgewogenes Längenverhältnis zwischen diesen Punkten. Denn am Ende interessiert Bewerbende nicht nur, was sie leisten sollen – sondern auch, was sie gewinnen, nämlich: Entwicklung, Anerkennung, Sicherheit, Sinn. Zwölf Aufgaben vs. drei Benefits lassen Sie hingegen als Firma dastehen, die mehr fordert als gibt.

    Halten Sie Ihre Verspechen

     

    Versprechungen, die nicht gehalten werden (können), kennen wir, z. B. vom Rumpelstilzchen. Wer Gold in Aussicht stellt, aber nur Stroh liefert, hat keinen langfristigen Erfolg. Auch übertrieben bildhafte Formulierungen wirken in Stellentexten schnell marktschreierisch und daher abschreckend.

    Negativ-Beispiele:

    • „Ein Arbeitsplatz der Extraklasse“
    • „Werde Teil unserer Erfolgsgeschichte“
    • „Du wirst das Herzstück unseres Projekts sein“

    Die Kunst des Weglassens

     

    Held:innen zweifeln manchmal, ob sie den richtigen Weg einschlagen. Wenn sie aber schon vor dem Aufbruch nicht wissen, worum es geht, liegt das an der Ausschreibung. Zum klaren Aufbau zählt es, unwichtige Dinge zu ignorieren: Gelegentliche Aufgaben ohne direkt erkennbaren Nutzen für die Stelle oder wie genau die Hierarchien in Ihrer Firma verteilt sind – dafür haben Sie im Vorstellungsgespräch noch Zeit.

    Fach-Chinesisch: Bitte nicht übertreiben

     

    Sie mögen es innerhalb Ihres Unternehmens so gewohnt sein, doch: Verzichten Sie auf eine allzu hohe Dichte von Fachtermini und internen Abkürzungen. Das hemmt nur den Lesefluss und führt eher dazu, dass die Lesenden wegklicken. Wie bei allen Texten gilt auch für Stellenanzeigen: „Es beschwert sich keiner, wenn er zu viel versteht.

    Authentizität: Erzähl Geschichten, keine Märchen

    Stellenanzeigen müssen Authentizität vermitteln und Sinnstiftung schaffen. Neben den reinen Inhalten sollten Bewerbende einen echten Einblick in das Unternehmen und ihr zukünftiges Team bekommen. Bieten Sie Orientierung, indem Sie neben allen Fakten die Unternehmenskultur und das individuelle Arbeitgeberversprechen transportieren. Das geschieht beispielsweise über Aussagen echter Mitarbeitender (Testimonials) oder die Benefits.

    Sie haben sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben? JobRad-Leasing und vergünstigter ÖPNV unterstreichen Ihre Arbeitgebermarke. Sie verstehen sich als familienfreundlicher Betrieb? Kita-Kooperationen, firmeneigene Wohnungen oder Notfallpläne für pflegende Angehörige überzeugen Ihre Bewerbenden.

    Emotion: Schreib nicht wie eine Behörde – selbst, wenn du eine bist

    • „Durchführung von Routinearbeiten im Tagesgeschäft“
    • „Einhaltung und Umsetzung von internen Prozessen“
    • „Anfertigung von Kopien sowie deren Ablage“

    Mal ehrlich: klingt das nach einem aufregenden Job-Abenteuer? Wohl kaum. Niemand möchte seine Aufgaben nur „abarbeiten“. Vielmehr suchen wir doch alle Sinn und Erfüllung, auch im Job.

    Ein eintöniger, repetitiver Schreibstil macht keine Lust darauf, mehr über den Job zu erfahren, geschweige denn: sich darauf zu bewerben. Schließlich wird kein Buch der Welt zum Bestseller, wenn jeder Satz gleich anfängt oder auf jeder Seite die gleichen UNGeheuer lauern. Darunter die bekannten „Durchführung“, „Planung“ und „Umsetzung“.

    Sorgen Sie für Abwechslung: Verwenden Sie z. B. Synonyme oder bilden Sie ganze Sätze, mit denen Sie Ihre Leserschaft direkt ansprechen.

    Zielgruppenspezifisch schreiben: kommunale vs. agentische Formulierung

    Schreiben Sie für Ihre Zielgruppe: Pflegekräfte wollen anders angesprochen werden als Versicherungsangestellte oder IT-Expertinnen. Das gleiche gilt für die Frauen und Männer, die Ihre Anzeige lesen. Die „Lack of Fit“-Theorie (Heilman, 1983) und die Signaling-Theorie (Spence, 1973) erklären, wie Formulierungen und Recruiter-Signale die Wahrnehmung von Passung, Zugehörigkeit und Erfolgserwartung beeinflussen.

    • Agentische Formulierungen betonen Selbstständigkeit, Durchsetzungsvermögen sowie Leistung und wirken eher männlich. Beispiel: „Wir suchen eine durchsetzungsstarke Führungskraft, die strategische Entscheidungen trifft und Ergebnisse liefert.“
    • Kommunale Formulierungen unterstreichen Kooperation, Fürsorge sowie Teamorientierung und wirken eher weiblich. Beispiel: „Wir suchen eine empathische Teamleiterin, die ihre Mitarbeitenden unterstützt und für ein positives Arbeitsumfeld sorgt.“

    Wenn Sie also Wert auf Diversity-Recruiting legen oder die Frauenquote in Ihrem Unternehmen steigern wollen, sollten Sie auf eher männlich gelesene Attribute verzichten.

    Sorg für klare Verhältnisse, aber bitte mit Gefühl

    Sie wollen Ihre potenziell Bewerbende also weder mit nüchternen Fakten langweilen noch mit blumigen Metaphern irritieren?

    Da gibt es nur eins: Machen Sie klar, welchen Zweck die ausgeschriebene Stelle erfüllt – für das Team, für das Unternehmen, vielleicht sogar für die Gesellschaft. Ebenso interessiert junge Talente, welche Entwicklungsmöglichkeiten es neben den fachlichen Grundlagen während ihrer Ausbildung noch gibt.

    Schlagworte wie „konfliktfreudig“, „belastbar“ oder „stressresistent“ sind nicht nur kritisch in Bezug auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), sie machen den Lesenden auch nicht gerade Lust darauf, sich zu bewerben. Verwenden Sie lieber eine Sprache, die konkrete Situationen greifbar macht und dabei gleichzeitig zeigt, was Ihr Unternehmen an seinem Mitarbeitenden schätzt.

    • Statt „Mitwirkung bei der Planung, Organisation und Durchführung von internen und externen Veranstaltungen.“ Besser: „Du bringst deine kreativen Ideen ein und trägst dazu bei, dass interne Events, Kundentermine oder öffentliche Auftritte unvergesslich werden.“
    • Statt „Unterstützung bei der Bewältigung von Sonderaufgaben sowie bei der Lösung komplexer Fragestellungen.“ Besser: „In besonderen Situationen behältst du den Überblick, unterstützt dein Team mit Weitsicht und findest pragmatische Lösungen.“

    Fazit: Stellenanzeigen dürfen fesseln

    Am Ende ist Storytelling nichts anderes als Orientierung. Ein roter Faden, der Bewerbenden zeigt: So sieht die Reise aus, das erwartet dich und deshalb lohnt es sich.

    Eine überzeugende Stellenanzeige begleitet die Lesenden, statt sie allein zu lassen. Sie macht neugierig, gibt klare Antworten und baut Vertrauen auf. Das ist der Unterschied zwischen einer reinen Auflistung und einer Geschichte, die wirklich berührt.

    Recruiting sollte nicht wie ein Pflichttext wirken, den man nur überfliegt. Es darf fesseln, überraschen und motivieren. Storytelling macht genau das möglich, weil Geschichten seit jeher die stärkste Form der Kommunikation sind.

    Wer Stellenanzeigen als Geschichten erzählt, zeigt mehr als Aufgaben: nämlich Haltung, Kultur und Sinn. Und genau das ist es, was Bewerbende heute suchen.

     

    Titelbild: Unsplash/©Jon Tyson

    Hinweis: Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird in einzelnen Fällen auf eine geschlechtsspezifische Differenzierung verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung für alle Geschlechter.

    Ole Arntz

    ist Texter und Musiker aus Leidenschaft. Er liebt das Erzählen von Geschichten – mal mit, mal ohne Instrument. Im Blog schreibt er vor allem zu den Themen Wording und Recruiting.

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