14. Juni 2020 Keine Kommentare

Gallup-Blitzumfrage: Einfluss des Krisenmanagements auf die Mitarbeiterbindung

Gemäß einer Umfrage von Gallup attestieren 1.000 Beschäftigte ihren Arbeitgebern Optimierungsbedarf im Krisenmanagement. Das Vertrauen in den Arbeitgeber und die Führungskräfte hat bei etlichen gelitten. Nur knapp ein Drittel glaubt, dass sich ihr Unternehmen für ihr Wohlergehen interessiert. Der große Wunsch: Mehr Transparenz durch mehr Kommunikation.

    COVID-19 – wie lange soll das noch gehen? Nun, das wüsste wir wohl alle gerne. Doch eine valide Antwort kann uns noch keiner geben. Umso wichtiger ist es, als Arbeitgeber die Beschäftigten möglichst mit Zuversicht weiterhin durch die Pandemie zu führen. Schwere Zeiten können schließlich zusammenschweißen. Oder entzweien.

    Arbeitgeber werden an ihrem Umgang in Krisenzeiten gemessen

    Martin Maas, Senior Manager Employer Branding bei den Helvetia Versicherungen Schweiz, urteilte kürzlich in einem Talk über die Zukunft des Personalmarketings, dass Unternehmen künftig daran bemessen würden, wie sie in Krisenzeiten abschnitten. Diesen Eindruck bestätigt auch die Blitzumfrage des Beratungsunternehmens Gallup. Marco Nink, Regional Lead Research & Analytics EMEA bei Gallup, schlussfolgert basierend auf den Ergebnissen: „Es geht um Fürsorge durch die „Führung“, denn in der Zeit nach Corona werden Unternehmen daran gemessen werden, wie sie mit der Belegschaft in der Krise umgegangen sind.“

    Schauen wir uns den Status quo an, der somit die Basis für alles Kommende legt: Wie sehr setzen sich Unternehmen für ihre Mitarbeitenden ein? Inwieweit werden diese durch Maßnahmen unterstützt und beschützt? Inwiefern können Unsicherheiten genommen werden, um gutes Arbeiten zu ermöglichen.

    Das Krisenmanagement kommt bedingt bei Arbeitnehmern an

    Zu einem guten Krisenmanagement zählt es, die Mitarbeitenden miteinzubeziehen. Zumindest insofern, dass diese sich gut aufgehoben und informiert fühlen. Dafür sind ein hohes Maß an Transparenz und eine verständliche sowie kontinuierliche Kommunikation entscheidend – über alle Ebenen hinweg.

    Doch da liegt der Hase im Pfeffer. Nicht in Bezug auf die Erwartungshaltung. Sondern darin, wie diese Erwartungshaltung erfüllt wird. Nur ein Drittel der von Gallup befragten Arbeitnehmerinnen sowie Arbeitnehmer hat das Gefühl, vom Arbeitgeber über die Corona-Maßnahmenpläne im eigenen Unternehmen gut informiert zu sein. Und ebenfalls gerade mal ein Drittel fühlt sich gut vorbereitet, um die tägliche Arbeit zu erledigen.

    39 % der Beschäftigten geben an, ausreichend Informationen von der direkten Führungskraft über die aktuellen Entwicklungen zu erhalten. Allerdings sind es zugleich 26 %, die über keinerlei Updates dieser Art verfügen. Und die restlichen 35 % pendeln sich dazwischen ein. Stockt der Informationsfluss gegebenenfalls schon in den Reihen der Führungskräfte? Die Vermutung liegt nahe und bestätigt sich: Jede vierte Führungskraft sagt aus, keine Informationen über die Entwicklungen im Unternehmen zu haben.

    Fehlendes Interesse am Wohlergehen der Mitarbeitenden

    Besonders pikant wird es natürlich, wenn es ganz konkret um den Schutz der Mitarbeitenden geht. 26 % sind zuversichtlich, dass ihnen nichts passieren wird, wenn sie die Gesundheitsrichtlinien ihres Unternehmens befolgen. Dem gegenübergestellt sind es 19 %, die das deutlich anzweifeln. Dabei sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass Unternehmen ausreichend Schutzmaßnahmen für die Belegschaft initiieren. Doch was helfen diese letztlich, wenn sie nicht innerhalb der Organisation kommuniziert und nachgehalten werden.

    Insgesamt haben im Vergleich zu den Vorjahren mehr Beschäftigte das Gefühl, dass ihr Wohlergehen eine untergeordnete Rolle spiele. Ein sehr enttäuschendes Ergebnis. Denn in Zeiten der Pandemie sollte Arbeitgebern besonders viel daran liegen, eine gegenteilige Botschaft zu senden. Und zwar derart, dass sie bei den Mitarbeitenden ankommt.

    Zukunftsfähig durch Vertrauen

    Vertrauen zu können, ist eine elementare Eigenschaft, um die Krise gemeinsam gut zu meistern. Das impliziert

    • das Vertrauen der Beschäftigten in das Krisenmanagement des Unternehmens.
    • das Vertrauen in die Belegschaft, unter neuen Bedingungen Einsatz zeigen zu können und zu wollen.
    • das Vertrauen, sich für eine gemeinsame Zukunft stark zu machen.

    Leider hat die COVID-19-Krise gemäß Blitzumfrage zu einem massiven Vertrauensverlust seitens der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in die Geschäftsleitung ihres Unternehmens geführt. Der Anteil der Beschäftigten, die der Aussage „Ich bin davon überzeugt, dass unsere Geschäftsführung zukünftige Herausforderungen erfolgreich meistern wird.“ uneingeschränkt zustimmt, hat sich von 41 Prozent (2019) auf derzeit 27 Prozent reduziert.

    Diese Unternehmen werden es in Zukunft besonders schwer haben, das Vertrauen wieder aufzubauen. Einmal mehr zeigt sich, dass gutes Employer Branding darüber entscheiden kann, wie Sie als Arbeitgeber aus der Krise hervorgehen werden. Denn die letzten Monate waren definitiv eine Bewährungsprobe für Arbeitgebermarken.



    Hinweis: Obgleich in diesem Beitrag nicht immer geschlechtsneutrale Formulierungen verwendet werden bzw. Schreibweisen, die die Gleichstellung der Geschlechter zum Ausdruck bringen, sind natürlich Männer und Frauen sowie Intersexuelle gleichermaßen gemeint.


    Autorin: Tina Schwarze

    Titelbild: Unsplash: © Adam Niescioruk

    Abbildungen: Gallup-Blitzbefragung unter Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen in Deutschland. Gallup, 2020.

    Tina Schwarze

    ist Ihre Ansprechpartnerin für alle Anfragen rund ums Thema Öffentlichkeitsarbeit. Im Blog schreibt sie vorwiegend zu den Themen Personalmarketing und Employer Branding.